AH98.00-P-9408-01A Methoden der Lack-Reparatur Typ 124, 126, 129, 140, 163, 164, 168, 169, 170, 171, 199, 201, 202, 203, 208, 209, 210, 211, 215, 216, 219, 220, 221, 230, 240, 245.2, 251, 463

Automobilindustrie, Lackhersteller, verschiedene Fachverbände und Kfz-Versicherer haben sich in letzter Zeit verstärkt mit verbesserten Lackiertechniken, neuen Lackmaterialien und auch kostengünstigen Reparaturmethoden befasst.

Aufgrund dieser Entwicklung kommt es bei der Beurteilung und Festlegung von Lackierumfängen teilweise zu unterschiedlichen Auffassungen. Nach den uns vorliegenden Versuchsergebnissen und Erfahrungen aus der Praxis sehen wir uns deswegen veranlasst, die verschiedenen Reparaturmethoden darzustellen.

Bei Beachtung der gegebenen Hinweise und klarer Absprache mit den Auftraggebern können Fehlbeurteilungen und Meinungsverschiedenheiten über Art und Umfang der jeweils durchzuführenden Reparaturlackierung vermieden werden.
  Teillackierung

Einschicht-Lackierung (Uni)
Die Teillackierung (durch Kanten, Sicken oder Zierleisten abgegrenzte Lackierfläche) stellt heute kein Problem mehr dar.

Mit Hilfe der neuen Lackmaterialien und Lackiertechniken ist es möglich, die kostengünstige Teillackierung so auszuführen, dass sie der Originallackierung gleichkommt.
Abweichungen im Glanzgrad der angrenzenden Flächen können durch Anpolieren der Altlackierung angeglichen werden. Eine absolute, völlige Farbübereinstimmung gibt es bei Reparaturlackierungen nicht. In besonderen Fällen ist ein Nachnuancieren der Farbe möglich (Angaben der Lacklieferanten beachten).

Zweischicht-Metalliclackierung
Für die Teilausbesserung einer Zweischicht-Metalliclackierung existieren mehrere Methoden, die je nach Schadensfall (Schadensumfang, betroffenes Teil, Zustand und Alter des Fahrzeugs, Farbe) angewandt werden können. Eine Beratung des Kunden ist unbedingt zu empfehlen.
Gegebenenfalls muss der Kundendienstberater einen Lackfachmann hinzuziehen.

Methode 1 (Lackieren "auf Kante")
Lackieren des ganzen Teils mit Basislack und Klarlack.

Es handelt sich hierbei um eine kostengünstige Reparatur, vor allem für neue oder neuwertige Fahrzeuge. Bei älteren und stärker beanspruchten Fahrzeugen können mit dieser Methode größere Farbtonunterschiede auftreten. Diese Farbtonunterschiede treten in der Regel im Basislack auf. Vermattungen und Glanzgraddifferenzen des Klarlacks sind meist polierbar.
  Methode 2 (Effektangleichung im Teil)
Auftrag des Basislacks auf die fehlerhafte Stelle im Teil und Auslauf in die übrige Fläche. Lackieren des ganzen Teils mit Klarlack.

Diese Methode sollte wo immer es möglich ist angewandt werden.

Methode 3 (Effektangleichung auf angrenzenden Teilen)
Entweder das Lackieren des ganzen Teils mit Basislack und Auslauf in die angrenzenden Teile. Oder das Lackieren des ganzen Teils und der ganzen angrenzenden Teile mit Klarlack.

Diese Methode erzielt beim Lackieren eines ganzen Teils (oder mehrerer Teile) in Bezug auf Farbübereinstimmung das beste Ergebnis. Durch den fließenden Übergang von Serienlackierung zu Effektangleichung zu Serienlackierung ist eine Farbdifferenz visuell nicht mehr erkennbar.

Methode 4 (Beilackieren)
Auslauf des Basislacks und überlappender Auslauf des Klarlacks. Nach Trocknung beipolieren des Klarlackauslaufs.

Das Beilackieren ist unter Langzeit-Qualitätsgesichtspunkten der DaimlerChrysler AG nur für alte Fahrzeuge vorgesehen.
Die Anwendung der unter Qualitätsgesichtspunkten weniger hochwertigen Lackierung ist mit dem Eigentümer, nach entsprechender fachlicher und finanzieller Beratung, abzustimmen oder zu vereinbaren.
  Zu empfehlen ist diese Methode, trotz eines höheren Aufwands gegenüber der Lackierung eines angeschlossenen Teils, vor allem bei Seitenflächenreparaturen, Reparaturen in der Mitte der Seitenflächen, bei Farben mit engen Verarbeitungstoleranzen und bei älteren, stärker beanspruchten Fahrzeugen (hier evtl. auch beim Lackieren waagerechter Flächen).
Weiterhin kann diese Methode an Wölbungen, z. B. Hecksäule, an schmalen Flächen und an untergeordneten Stellen (Heckmittelstück und Stoßfängerbereich) angewandt werden.

Eine absolute, völlige Farbübereinstimmung gibt es bei Reparaturlackierungen nicht. Ein für das menschliche Auge erkennbarer Unterschied kann bei Metalliclackierungen weit eher auftreten als bei Unilackierungen. Das hängt mit Besonderheiten in Rezeptierung, Herstellung, Effektgebung etc. zusammen. Leichte wahrnehmbare Farbunterschiede müssen deshalb akzeptiert werden.

Ganzlackierung
Wenn Lackschäden am Fahrzeug von solchem Ausmaß sind, dass eine Abschnittsreparatur mit den oben beschriebenen Methoden nicht mehr wirtschaftlich ist, wird eine Ganzlackierung notwendig.

Für die Lackreparatur sind ausschließlich die von DaimlerChrysler freigegebenen und geprüften Materialien der nachfolgenden Firmen zu verwenden:
  Du Pont Performance Coatings Standox
Spies Hecker
Du Pont Refinish

BASF Coatings AG Glasurit
RM

PPG Industries International PPG Auto Refinish

Dabei müssen die Verarbeitungsvorschriften genau beachtet werden. Darüber hinaus sind Fachkenntnisse und Erfahrung erforderlich. Trotzdem sind auch hier Farbdifferenzen bei Reparaturlackierungen möglich. Das muss bei der Wahl der Reparaturmethode berücksichtigt werden.

Bei Klarlacksystemen mit höherer Kratzbeständigkeit entsprechende Hinweise (Serviceinformationen) beachten.